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A New Tech Agenda

Initialzündung für Aufbruch, Kreativität und Mut: Die Pionier:innen der digitalen Bewegung blicken in diesem Jahr auf das Leben im New Normal - und entwerfen eine neue digitale Agenda. Dazu diskutiert die GIGA Gipfel-Community auf vier Digital-Events und live auf dem Gipfel des Gaislachkogls über die Chancen der Digitalisierung in der Post-Corona-Zeit.

Die vergangenen Monate waren alles andere als normal. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass eine winzige organische Struktur nicht nur zum leider tödlichen Virus, sondern auch zum Treiber der Digitalisierung von Arbeitsprozessen und gesellschaftlicher Interaktion werden kann. Und damit zu Veränderungen und neuen Lebensweisen führt, die bisher kaum für möglich gehalten wurden.

Von Ferndiagnostik und Telemedizin über Videokonferenzen aus dem Homeoffice, Fernarbeit und Fernunterricht – beschleunigt durch die Corona-Pandemie ist die Zeit eines neuen Unternehmertums und Denkens angebrochen. Nicht alles wird so bleiben. Die Schüler kehren etwa hoffentlich wieder in die Schulen zurück, die Studenten in die Hörsäle, die Menschen (teilweise) in die Büros. Doch vieles von dem, was das Virus an positiven Veränderungen gebracht wird, wird auch in der Post-Corona-Phase Bestand haben.

Optimismus statt Verdruss.
Zuversicht statt Resignation

Technologie für das Leben im New Normal

Doch wie genau sieht diese neue Ära aus? Was fehlt, ist eine neue digitale Agenda, ein gemeinsames Verständnis von Zukunft. Wie können Technologien genutzt werden, um den Alltag und das Leben im „New Normal“ nach Impfung und Herdenimmunität positiv zu verändern? Initiiert von Handelsblatt, WirtschaftsWoche und Tagesspiegel sowie dem Digitalunternehmen Vodafone will der GIGA Gipfel 2021 auf vier Digital-Events (15. April; 20. Mai; 15. Juli; 23. September) und live im österreichischen Sölden am 27./28. Oktober eine neue Tech Agenda erschaffen. Live und digital wird sich die digitale Bewegung dann auf vier Kernbereiche fokussieren:

Die vier Fokusbereiche des diesjährigen GIGA Gipfels:
GLOBAL PREVENTION
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DIGITAL EDUCATION
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SMART CITIES
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Sustain-ability
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Das legendäre Restaurant Ice Q – bekannt aus dem James-Bond-Film „Spectre“ – auf dem Gipfel des Gaislachkogls auf 3.048 Metern Höhe ist der reale Hub für den GIGA Gipfel 2021. Hier wird die Digitale Bewegung erarbeiten, wie sich technologische Entwicklungen als Mehrwert für Unternehmen, Menschen und Umwelt nutzen lassen und wie die Digitalisierung die Gesellschaft künftig voranbringt.

Auf der Suche nach einer neuen Tech-Agenda

Bereits zum vierten Mal treffen sich die digitalen Visionär:innen auf dem Gipfel des Gaislachkogels auf 3.048 Metern Höhe in Workshops und in Diskussionen; wollen aufzeigen, welche digitalen Pfade beschritten werden müssen, um die Welt nach der Corona-Pandemie und somit die Zukunft neu zu schreiben. Und sie wollen nach Lösungen suchen, wie eine neue Tech-Vision vermittelt werden kann – und wie sich die Arbeits- und Lebenswelten so ein Stück lebenswerter und sicherer machen lassen. Etwa bei der der Etablierung eines zukunftsfähigen globalen Gesundheitssystems, bei der Neuerfindung von (schulischer) Bildung, bei der Optimierung des menschlichen Zusammenlebens mithilfe der Digitalisierung in der Smart City oder beim Einsatz nachhaltiger, das Klima schützender Produktionsverfahren und Abläufen in Unternehmen. Unerlässlich für den kreativen Austausch innerhalb der Digitalen Bewegung sind Impulsgeber:innen, die mit ihren Ideen gezielt Veränderungen anstoßen möchten – und im Team nach praktikablen Lösungen suchen.

Die GIGA Gipfel-Community sucht den Dialog, will diskutieren und sich austauschen. Digital und live vor Ort in Sölden.

Grundrecht auf digitale Versorgung
als Basis für digitale Entwicklung

Doch um die großen Tech-Herausforderungen der Zukunft mit digitalem Leben zu füllen, braucht es ein kollektives Grundrecht auf digitale Versorgung. Dazu gehören etwa der schnelle Ausbau des Glasfasernetzes, die Förderung von Start-ups durch Venture Capital sowie digitale Bildung bereits ab der Grundschule. Denn nur, wenn diese Grundlagen der digitalen Daseinsvorsorge vorhanden sind, kann auch den Menschen eine Kultur vermittelt werden, die Mut macht und den Nutzen in das Zentrum aller Überlegungen stellt. Dann wird Deutschland (nach der Corona-Pandemie) nicht nur einen weiteren Schritt auf dem Pfad der digitalen Revolution gegangen sein, sondern eine digitale Revolution eingeläutet haben. Eine Revolution, die Wohlstand und Prosperität auch in Zukunft sichert – und zugleich einen eigenen Weg darstellt: Teamarbeit statt Einzelkämpfertum. Kreativität statt Kästchendenken. Spontanität statt stupidem Auswendiglernen.

Die Digitale Bewegung jedenfalls ist bereit – und will ihren Beitrag dazu beisteuern, das Fundament für die digitale Zukunft in unserem Land zu legen.

Über diese Themen diskutiert die Digitale Bewegung:
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Global Prevention

Bereit für New Normal: Warum die Digitale Bewegung eine neue Tech-Agenda fordert.

Der GIGA Gipfel ist viel mehr als ein weiteres Event zur Digitalisierung. Es ist eine kreative Keimzelle und ein Treffen von Menschen, die in der Post-Corona-Zeit Wirtschaft und Gesellschaft durch eine neue Sicht auf und ein neues Verständnis für Technologien voranbringen möchten. Lesen Sie, über welche Tech-Visionen die digitalen Pionier:innen unter anderem am 27./28. Oktober live in Sölden und digital im Netz am 15. April diskutieren werden.

Krisen schaffen Klarheit und eröffnen Chancen. Während physische Kontakte in den vergangenen Monaten auf ein Minimum reduziert werden mussten, entstanden gleichzeitig überall auf der Welt neue digitale Netzwerke. Etwa bei der derzeit neben der Klimafrage wohl drängendsten Herausforderung: der Global Prevention. Dahinter steckt die Zusammenarbeit von Unternehmen, Wissenschaftlern und Behörden für eine erstmals wirklich globale Gesundheitsvorsorge. Die Entwicklung im Zeitraffer von Impfstoffen, die die Bevölkerung gegen Covid-19 immunisieren und ein Leben nach der Pandemie im „New Normal“ möglich machen sollen, sind das Ergebnis dieser Zusammenarbeit über Einzelinteressen, Ländergrenzen und Zeitzonen hinaus.

» Eine funktionsfähige, digitale Global
» Prevention kann Leben retten –
» wenn sie entsprechend schnell
» umgesetzt wird.

Eine funktionsfähige, digitale Global Prevention kann Leben retten – wenn sie entsprechend schnell umgesetzt wird. Denn Gesundheitsgefahren machen auch im 21. Jahrhundert nicht an Grenzen halt – wie übrigens auch in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte zuvor nicht. Neben Corona sterben nach wie vor jährlich Millionen von Menschen auch an anderen lebensbedrohlichen Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria. Zudem belasten sie das Gesundheitssystem in vielen Ländern. Auch vor diesem Hintergrund ist eine vernetzte Zusammenarbeit nötig. Nur so können die nationalen und internationalen Gesundheitssysteme den Kampf gegen Viren, Bakterien & Co. gewinnen.

Digitalisierung und Data Science
= Schrittmacher von Wissen

Basis dafür ist ein starkes und leistungsfähiges Kommunikationsnetz, das den Transfer großer Datenmengen überhaupt erst möglich macht. Unfassbar viele Informationen aus Scans und Messgeräten werden sekundenschnell aus den Arztpraxen, Impfzentren und Laboren kleiner Start-ups zu Universitätskliniken oder in die Forschungsabteilungen großer Pharmaunternehmen übertragen. Mithilfe vernetzter Plattformen wird auf diese Weise vorhandenes Spezialwissen, das aus lokalen Datenerhebungen und Datenanalysen stammt, rund um den Erdball geteilt. Digitalisierung und Data Science werden so zum Schrittmacher der Demokratisierung von medizinisch-pharmazeutischem Wissen, sagt beispielsweise Philips-CEO Frans van Houten.

Was die Medizin gerade erlebt, ist die vielleicht größte Revolution seit der Entdeckung des Penicillins vor 90 Jahren. Anders als damals geht es aber nicht um die Entdeckung eines einzelnen, bahnbrechenden Medikaments. Es geht vielmehr um die Übertragung von zwei Schlüsseltechnologien aus der Informationstechnologie auf die Medizin – künstliche Intelligenz (KI) und Data Science.

Datenanalyse und KI als Helfer der Mediziner:innen

Um Krankheitsbilder auszumachen und korrekte schnelle Diagnosen zu stellen, können Datenanalysen und Künstliche Intelligenz einen entscheidenden Beitrag leisten. Die auf künstlichen neuronalen Netzen beruhenden Algorithmen sind in der Lage, beispielsweise Lungenentzündungen, aber auch Hautkrebs, Malaria und andere Krankheiten mit einer höheren oder zumindest der gleichen Genauigkeit zu erkennen wie die besten Mediziner:innen des jeweiligen Fachgebiets. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Ärzt:innen überflüssig werden. Vielmehr gewinnen sie durch die digitalen Diagnosemöglichkeiten nun mehr Zeit, um sich dem eigentlichen Kern ihrer medizinischen Arbeit verstärkt zu widmen – der Behandlung von Krankheiten und der sorgfältigen Aufklärung von Patient:innen.

Ganz besonders vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie gehe es darum, Zusammenhänge zu erkennen, an die vorher nicht gedacht wurde – etwa bei Krankheitsbildern in Verbindung mit bestimmten Infektionserregern, beschreibt Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) in Handelsblatt Inside vom 18. Februar die Einsatzmöglichkeiten von KI-basierten Technologien. Und so baut das RKI im brandenburgischen Wildau derzeit ein Zentrum für Künstliche Intelligenz in der Public Health Forschung. Ziel ist es, dass beispielsweise Epidemien umfassend analysiert, Krankheitslasten besser berechnet und Frühwarnsysteme entwickelt werden. So können Forschende aus vorliegenden Daten wichtige Erkenntnisse über den möglichen Verlauf der Corona-Pandemie gewinnen – etwa mit Blick auf potenzielle Hotspots. Auf diese Weise ließe sich bei neuen Erregern deutlich schneller errechnen, wie gefährlich diese Mutationen sind. Kurzum: es geht darum, den gewaltigen Datenschatz, den das RKI gesammelt hat, mit anderen Datenquelle zu verknüpfen – dazu gehören beispielsweise auch Meldungen in sozialen Medien, Meldungen des statistischen Bundesamtes, der Wetterbericht oder Mitteilungen, Dokumentationen und Reports der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Mit dem neuen Zentrum für Künstliche Intelligenz in der Public Health Forschung will das RKI auch seinen Status als Anlaufstelle für globale Gesundheit und wichtiger Partner des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Weltgesundheitsorganisation untermauern und ausbauen.

In Bezug auf Corona könnten KI und Data Science auch dabei helfen, die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion besser zu erforschen. Und bei Impfungen ließen sich sowohl Verdachtsmeldungen als auch bestätigte Fälle von Nebenwirkungen erfassen. Diese Daten können dann mit Informationen über Corona-Symptome und Langzeitfolgen wie Müdigkeit, Verlust des Geschmacks- und Riechsinns oder Kopfschmerzen verknüpft werden, um so neue Therapien zu entwickeln.

Global Prevention und Datenschutz: Es gilt, einen Kompromiss zu finden

Um Muster zu erkennen und Algorithmen zu trainieren, sind über einen langen Zeitraum möglichst große Datensätze nötig. Doch um diese Daten im Medizinbetrieb nutzen zu können, müssen laut Datenschutzgrundverordnung die Patient:innen ihre Einwilligung geben, dass die Daten genutzt werden dürfen. Diese Einwilligung ist zweckgebunden und auch dann nötig, wenn die Daten anonymisiert werden. Kein Zweifel - Datenschutz und demzufolge der Umgang mit Gesundheitsdaten haben in Deutschland einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig geht es aber auch darum, die medizinischen Möglichkeiten zu nutzen, die sich durch die Analyse großer Datenmengen ergeben. Es gilt also, einen Kompromiss zu finden, der diese beiden Positionen verbindet. Die Impfkampagne in Israel könnte da ein Beispiel sein. Einmal in der Woche übermitteln die Behörden Daten an den Impfstoffhersteller Pfizer/BioNTech. Das Unternehmen enthält neben den öffentlich bekannten Covid-19-Infektions- und Sterberaten auch nach Alter und anderen demografischen Untergruppen aufgeschlüsselte, anonymisierte Daten zur laufenden Impfkampagne. Persönliche Daten werden nicht weitergegeben, beteuert das israelische Gesundheitsministerium. In Deutschland erhalten die Hersteller hingegen keine Daten aus der Impfkampagne. Stellt sich die Frage, ob die Schnelligkeit, mit der in Israel geimpft wird, mit der schnellen und pragmatischen Weitergabe anonymisierter Daten zusammenhängt? Fakt ist, dass schon vor der Corona-Pandemie fast alle Israelis in elektronischen Gesundheitsregistern erfasst wurden.

Gerechte, patientenorientierte Gesundheitsversorgung

Beim Versuch, die Digitalisierung auf möglichst viele Bereiche des täglichen Lebens auszuweiten, sind viele Länder schon weiter als Deutschland, analysierte Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und Professor für Digital Health-Personalisierte Medizin, in seinem Gastkommentar im „Handelsblatt“ im März vergangenen Jahres. Besonders in Asien, wo Länder wie Japan sich anschicken, die digitale Agenda ihrer Regierung mehr und mehr in die Tat umzusetzen. Aufgrund der schnell alternden Bevölkerung spielt die Digitalisierung des Gesundheitssystems dabei eine zentrale Rolle. Hier zeigt sich in der Praxis, dass die Videosprechstunde mit Ärzt:innen für weniger mobile Personen eine wertvolle Alternative zum Besuch der Praxis darstellt und dass die Analyse von anonymisiert gesammelten klinischen Daten für die gezielte Optimierung von Therapien unerlässlich ist. Die Digitalisierung trägt also dazu bei, die Gesundheitsversorgung gerechter und patientenorientierter zu gestalten.

Und auch das gehört zur Global Prevention: das digitale Gipfeltreffen „Global Goal: Unite for our Future“. Die Kampagne wurde von der weltweiten Menschenrechtsbewegung und -plattform Global Citizen unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, gestartet. Ziel ist es, die Auswirkungen der Pandemie für die Ärmsten der Welt und benachteiligte Gruppen abzuschwächen und lokale Gesundheits- und Wirtschaftssysteme zu stärken. Mit der virtuellen Geberkonferenz am 27. Juni 2020 wurden Gelder für die Entwicklung, Produktion und gerechte Verteilung von COVID-19-Tests, -Medikamenten und -Impfstoffen gesammelt. Damit wurden lokale Gesundheits- und Wirtschaftssysteme von Entwicklungsländern gestärkt und den Menschen geholfen, die überproportional von den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie betroffen sind.

Eine Frage der Menschlichkeit

„Je rascher auch wir in Deutschland und Europa bereit sind, ein wenig von dem abzugeben, was uns gesichert ist, desto eher können wir das Infektionsgeschehen global eindämmen“, erklärte jüngst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier sprach sich für eine frühe Abgabe von Impfstoff aus Deutschland und Europa an ärmere Länder aus. Das sei nicht einfach, aber eine Frage der Menschlichkeit. Deutschland unterstützt die weltweite Allianz zum Einkauf von Impfstoffen, Covax, mit über zwei Milliarden Euro. Insgesamt sind für den gebündelten Einkauf für ärmere Länder gut zehn Milliarden Euro gesammelt worden.

Nach Einschätzung von Microsoft-Gründer Bill Gates müsse die Welt schon bald Milliarden in die Vorbereitung für die nächste Pandemie investieren, um eine erneute „Tragödie“ wie mit dem Coronavirus zu vermeiden. Es gehe darum sicherzustellen, „dass das nie wieder passiert“. Dazu müssten sowohl Kapazitäten für die Produktion von Impfstoffen als auch ein permanentes Team von rund 3.000 Expert:innen und Forscher:innen aufgebaut werden, die sofort für den Kampf zur Eindämmung der nächsten Pandemie eingesetzt werden könnten. Dieses Notfall-Team könnte sich im Normalfall um zeitlosere globale Herausforderungen wie Malaria und Masern kümmern, so Gates auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar 2021. Gates forderte zudem, schon jetzt Fabriken und Produktionskapazitäten aufzubauen, um in einem künftigen Bedarfsfall die Impfstoffproduktion viel schneller ankurbeln zu können.

Bereits vor drei Jahren warnte Gates vor den Gefahren, die die Existenz der gesamten Menschheit bedrohen könnten – Klimawandel und Seuchen. Inzwischen ist aus der Warnung bittere Realität geworden. Doch die Digitalisierung der Gesellschaft kann ihren Beitrag dazu leisten, die Folgen dieser Krisen zu mildern.

Damit dies aber gelingen kann, müssen unter anderem Fragen beantwortet werden, die der stellvertretende Chefredakteur der Zeit, Bernd Ulrich, am 10. Februar stellvertretend für seine Leser stellte: Woher kommt das Virus und wie lässt sich in Zukunft ein solches Überspringen vom Tier auf den Menschen besser vermeiden? Wie kann die Zahl der vulnerablen Personen auf Dauer verringert werden? Wie kann ein Gesundheitssystem aussehen, das mit einer solchen Pandemie besser klarkommt? Wie können die Lieferketten aussehen, die weniger abhängig sind von anderen Ländern?

Die Digitale Bewegung will beim GIGA Gipfel in Sölden Anstöße geben, wie sich Digitalisierung und Global Prevention noch besser ergänzen können – und warum Digitalisierung und Data Science ein entscheidender Grundpfeiler für eine erfolgreiche Global Prevention sind.

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Best Cases aus der Praxis

Im Schlaf Gutes tun – und den Kampf gegen Covid-19 und Krebs unterstützen
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Seit Beginn der Corona-Pandemie suchen Wissenschaftler:innen auf der ganzen Welt nach einem Impfstoff und nach wirksamen Arzneimitteln gegen Covid-19. Dafür analysieren sie mithilfe von Hochleistungscomputern vorhandene Datensätze. Ziel ist es, bereits bekannte Medikamente und Nahrungsmittelmoleküle zu finden und so zu kombinieren, dass sie Corona-Infizierten helfen können. Eine Aufgabe, die eine gewaltige Rechenleistung erfordert. Ein einziger Computer, der 24 Stunden am Tag läuft, bräuchte rund 300 Jahre für die Analyse der vorliegenden Daten. Vergleichsweise schneller ginge es mit der Jahresrechnerleistung eines Forschungszentrums – hier wären zwölf Monate für den Datenabgleich nötig.

Um die technischen, digitalen Abläufe deutlich zu optimieren, kommt an diesem Punkt die DreamLab-App ins Spiel: Entwickelt vom Imperial College London und der Vodafone Fundation kann die App die Rechenleistung von hunderttausenden Smartphones zu einem virtuellen Super-Rechner bündeln. Und zwar dann, wenn die Smartphones nicht genutzt werden – etwa, wenn die Geräte nachts am Ladekabel hängen. 100.000 Smartphones, auf denen DreamLab sechs Stunden pro Nacht läuft, schaffen den Datenabgleich in nur drei Monaten. „Jeder kann die Rechenpower seines Handys jetzt für die Corona-Forschung einsetzen. Mit DreamLab entsteht so ein virtueller Super-Computer, der die Suche nach Medikamenten um ein Vielfaches beschleunigt. Je mehr mitmachen, desto schneller kommt die Forschung voran“, sagt Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter.

Die Technologie hinter dieser App ist einfach: Wird das Smartphone über Nacht via Kabel in die Steckdose gesteckt, lädt sich der Akku auf. Der durchschnittliche Akku eines Smartphones braucht knapp 80 Minuten, um die vollen 100 Prozent Leistung zu erreichen. Die Zeit, in der der Handy-Akku wieder voll aufgeladen ist, das Smartphone aber trotzdem ungenutzt an der Steckdose hängt, nutzt die App DreamLab. Im eingeschalteten Modus erkennt die Software der App eigenständig den Zeitpunkt, an dem der Akku des Smartphones vollgeladen ist. Daraufhin wird die ungenutzte Prozessor-Leistung des Handys an teilnehmende wissenschaftliche Einrichtungen wie etwa das Garvan Institute of Medical Research in Australien weitergeleitet. Die Leistung des Smartphones wird dabei nicht beeinflusst, die App sorgt dafür, dass das Gerät nicht überlastet wird. Dank der übertragenen Rechenleistungen vom eigenen Smartphone ist es Wissenschaftler:innen möglich, komplexe Analysen schnell durchzuführen. So konnte durch die Mithilfe der DreamLab-Nutzer:innen beispielsweise die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung am Garvan Institut bereits verdoppelt werden. Auch aus der Perspektive des Datenschutzes ist alles sicher: Die App hat nur Zugriff auf den Prozessor des Handys, alle anderen Bereiche sind für die App unerreichbar.

Bereits fünf Jahre vor der Corona-Pandemie wurde die DreamLab-App im Kampf gegen Krebs eingesetzt. Verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen, die sich der Krebsforschung widmen, können seitdem auf die virtuelle Rechnerleistung der „schlafenden“ Handys zurückgreifen. Denn die Handynutzer:innen, die ihre Rechnerleistung zur Verfügung stellen, können auswählen, welches Forschungsprojekt unterstützt werden soll. Wer helfen möchte, kann sich die App im App Store oder im Google Play Store kostenlos herunterladen.

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Universitätsklinikum Düsseldorf: Datenaustausch in Echtzeit
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Kleine 5G-Antennen, sogenannte Radiodots, sorgen für optimale Netzabdeckung im Inneren der Gebäude. Echtzeit-Rechenzentren verarbeiten die Daten in ihrer direkten Umgebung. Über eine Anbindung zum Mobilfunknetz kann die 5G-Infrastruktur ihre digitalen Services schon einfahrenden Krankenwagen anbieten: Etwa die sogenannten Monitoring-Patches in der Notfallmedizin. Dabei bekommen Patient:innen in der Notaufnahme ein Technik-Pflaster auf die Haut geklebt, das die Vitalwerte selbstständig und in Echtzeit über das 5G-Netz an eine zentrale Patientenüberwachungseinheit sendet. Stimmt etwa die Herzfrequenz nicht mehr, kann so schnell reagiert werden. Die Monitoring-Patches werden aber nicht nur in der Notaufnahme, sondern auch auf den Stationen eingesetzt.

Die Rettung von Leben mithilfe von Digitalisierung: Was wie Zukunftsmusik klingt, soll schon in diesem Jahr in Düsseldorf Wirklichkeit werden: An der Uniklinik Düsseldorf (UKD) entsteht der europaweit erste 5G-Medizincampus. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fördert das Projekt, an dem neben dem UKD und dem Digitalunternehmen Vodafone auch die RWTH Aachen, das Unternehmen Brainlab, die Fachhochschule Dortmund, die Bergische Universität Wuppertal, das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und die Philips GmbH als Technologie-Partner beteiligt sind. Auch niedergelassene Ärzt:innen werden in das Projekt zur schnellsten Datenübertragungstechnik für medizinische Anwendungen in der universitären Krankenversorgung, Forschung und Lehre einbezogen.

„Schnelle und digitale Technik kann Leben retten. Das haben wir nicht zuletzt während der Corona-Pandemie gesehen. Der sichere Austausch von Daten mit hoher Geschwindigkeit ist wichtig, um in Echtzeit und verlässlich den Zustand von Patient:innen beurteilen zu können. Mit der Förderung der ‚Giga for Health‘-Projekte können wir digitalen Techniken im Krankenhaus einen wichtigen Schub geben. Ich freue mich daher sehr über die Empfehlung zur Förderung“, sagt Professor Dr. Dr. Frank Schneider, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Düsseldorf. Und Hannes Ametsreiter, Vodafone Deutschland CEO, fügt hinzu: „Wir bringen 5G – für jede Branche. Auch und gerade für unser Gesundheitswesen.“

So soll die Datenübertragung in Echtzeit bei der computer-assistierten Tumorchirurgie ebenfalls helfen. Im Rahmen der sogenannten „Mixed Reality“ können zum Beispiel hochkomplexe 3D-Strukturen des Gehirns vom Computer virtuell in den Raum projiziert werden, damit sich Operateur:innen besser orientieren können. Diese „Mixed Reality“-Anwendung funktioniert wie ein virtuelles Medizin-Lexikon, das Ärzte immer dann öffnen können, wenn sie es benötigen. Zudem können sich Expert:innen in wenigen Sekunden virtuell in den OP-Saal hinzuschalten, um die Mediziner:innen vor Ort zu beraten. Aber auch in Hörsälen sollen solche 3D-Anwendungen zur Unterstützung der Lehre eingesetzt werden. Generell ist geplant, dass die innovativen medizinischen 5G-Anwendungen nicht nur in der Patientenversorgung zum Einsatz kommen, sondern auch in Forschung und Lehre.

Übrigens: Auch niedergelassene Ärzt:innen werden an das schnelle Datennetz der Uniklinik angebunden. Ein Einsatzbereich dabei – die Tele-Neurologie. Aus den Praxen können CT- oder MRT-Aufnahmen direkt an die Ärzt:innen vor Ort in der Klinik geschickt werden. Auf diese Weise werden Entscheidungswege hinsichtlich der weiteren medizinischen Versorgung der jeweiligen Patient:innen optimiert.

Über 50.000 Patient:innen werden jährlich am Universitätsklinikum Düsseldorf stationär versorgt, weitere etwa 300.000 im Jahr ambulant. Von dem „Giga for Health“-Projekt und den Einsatz der Innovationstechniken sollen das UKD und seine Patient:innen profitieren.

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EmergencyEye – ein Video-Chat-System im Kampf gegen Corona
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Corona – in den vergangenen Monaten haben sechs Buchstaben das Leben der Menschen auf den Kopf gestellt. Das Virus brachte die altbekannte Ordnung über Nacht ins Wanken, vertraute Abläufe verloren ihre Gültigkeit. Beispielsweise, dass Menschen mit chronischen oder plötzlich auftretenden Erkrankungen so schnell wie möglich zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Aus Furcht, sich mit dem Coronavirus anzustecken, verzichteten in den vergangenen Monaten viele Patient:innen auf den Besuch in der Praxis. Eine gefährliche, unhaltbare Situation. Um den Kontakt zwischen Ärzt:innen und Patient:innen trotz Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten, entwickelten das Digitalunternehmen Vodafone und das Start-up Corevas ein Video-Chat-System, das eine erste qualifizierte Diagnose von Symptomen ermöglicht, ohne dass die Patient:innen die heimischen vier Wände verlassen müssen. Zudem ist das System leicht zu bedienen. Mehr als 400 Arztpraxen und Krankenhäuser nutzen derzeit EmergencyEye, um Menschen vor Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Chronisch oder plötzlich erkrankte Personen führen von zuhause aus per Videochat ein erstes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin. Diese können dann auf Grundlage der visuellen und akustischen Eindrücken weitere Maßnahmen einleiten. „Wir vermeiden für Risiko-Patient:innen potenziell gefährliche Hausbesuche oder Termine in der Praxis“, erklärt Dr. med. Gerd Appel, Facharzt für Allgemein-Medizin aus Kassel. In seiner Arztpraxis kommt EmergencyEye seit mehreren Wochen zum Einsatz. „Die Technologie ist eine wichtige Unterstützung in der aktuellen Situation. Die hohe Bildqualität ermöglicht es uns, einige Symptome aus der Ferne zu beurteilen – auch Hautkrankheiten können wir oft erkennen, ohne physischen Kontakt zum Patienten.“ Dr. Susanne Denny, Medizinerin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, nutzt EmergencyEye ebenfalls in ihrer Praxis: „So schützen wir unsere Patientinnen“, erklärt Denny. „Ich kann eine erste Einschätzung des Krankheitsbildes aus der nötigen Distanz vornehmen und entscheiden, ob eine weitere Behandlung in der Praxis notwendig ist.“

Bislang kam EmergencyEye vorrangig in Rettungsleitstellen zum Einsatz. Doch in der akuten Pandemie-Bekämpfung haben sich die Einsatzfelder des digitalen Kommunikationssystems stark erweitert. Die Technologie hilft, eine Situation bestmöglich zu beurteilen, die einen direkten, aber nicht körperlichen Kontakt zu den Anrufenden erfordern. „Ein Bild sagt auf Anhieb mehr als tausend Worte“, erklärt Thomas Dilbens, Leiter der Rettungsleitstelle Rhein-Kreis Neuss, warum visuelle Eindrücke bei der Ersteinschätzung aus der Ferne so wichtig sind.

EmergencyEye braucht keine App auf dem Smartphone der Anrufer:innen oder aufwendige System-Installationen in den Arztpraxen. Rufen eine Patientin oder ein Patient über die normale Telefonnummer in einer Arztpraxis an, können die Ärzte oder die Helfer den Anrufenden per SMS einen URL-Link zusenden. Damit das ohne Verzögerung funktioniert, hat Vodafone dafür einen separaten Kommunikationskanal eingerichtet. Die Anrufenden können den Link – egal mit welchem Smartphone oder Betriebssystem – mit einem Klick aufrufen und so den Videochat starten.

„Mit EmergencyEye helfen wir denen, die uns helfen. Wir entlasten unsere Ärzte und Pfleger. Und wir helfen ihnen, Menschen mit Vorerkrankungen vor potenziellen Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen“, so Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter.

Die Einsatzfelder von EmergencyEye reichen dabei auch über die medizinische Behandlung hinaus. So können beispielsweise Service- und Technikmitarbeiter von Energie- oder Infrastruktur-Unternehmen bei Problemen unmittelbar Support per Video-Chat leisten – ohne in der unmittelbaren Nähe zu sein.

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Cyriac Roeding
»Wir können schneller sein als das Virus«

Cyriac Roeding ist ein deutsch-amerikanischer Unternehmer und Investor aus dem Silicon Valley. Der 48-Jährige ist Mitbegründer und CEO von Earli, einem Biotech-Unternehmen, das Verfahren zur Früherkennung und Behandlung von Krebs entwickelt.

Mithilfe von Biomarkern sollen Krebszellen aufgespürt und sichtbar gemacht werden, um sie dann via Immuntherapie oder Bestrahlung gezielt zu bekämpfen oder operativ zu entfernen. Zum wissenschaftlichen Beirat von Earli gehören die Nobelpreisträger Lee Hartwell und Jim Allison sowie Bob Langer, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer von mehreren Biotech-Unternehmen, darunter dem Impfstoffentwickler Moderna.

Roeding ist in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen; nach einem Studium am Karlsruher Institut für Technologie arbeitete er als Unternehmensberater bei Roland Berger und McKinsey und gründete 1999 in München mit der Marketingfirma 12snap sein erstes Start-up. In den USA baute er die Mobilsparte des Medienkonzerns CBS auf, wurde vom Wagnisfinanzier Kleiner Perkins als Berater engagiert und gründete 2009 Shopkick, eine Art Rabattkarte für Einkäufe im Netz. Shopkick gehörte zu den am schnellsten wachsenden Privatunternehmen der USA und galt als eines der zehn innovativsten Unternehmen im Einzelhandel weltweit. 2014 wurde Shopkick von der südkoreanischen SK Telecom/SK Planet (Fortune 100) für 250 Millionen US-Dollar übernommen. Danach wollte Roeding etwas völlig anderes machen, etwas was von Herzen kommt – und gründete das Biotech-Unternehmen Earli.

Cyriac Roeding ist mit der US-amerikanischen TV- und Online-Produzentin Angel Roeding verheiratet und Vater von zwei Söhnen und einer Tochter.

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Im Interview erklärt Cyriac Roeding, Gründer und CEO des US-amerikanischen Biotech-Unternehmens Earli, warum eine weltweite Datenkooperation für den Kampf gegen Covid-19 und Krebs entscheidend ist – und wieso Start-ups zu den Treibern technologischer Entwicklungen gehören.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung im Gesundheitswesen für den schnellen und effizienten Kampf gegen das Corona-Virus und seine Mutationen?

Ohne die globale und digitale Zusammenarbeit der Labore wäre es völlig undenkbar gewesen, einen Corona-Impfstoff innerhalb kürzester Zeit zu entwickeln. Moderna und BioNTech haben seit Jahren daran geforscht, wie Impfstoffe mithilfe von Datenanalyse und RNA-Technik innerhalb weniger Stunden produziert werden können. Im Falle von Moderna hat es tatsächlich zwei Stunden gedauert, bis die erste Sequenz für den Corona-Impfstoff entstanden ist. Nachdem chinesische Wissenschaftler die Genom-Sequenz des Corona- Virus ins Internet stellten, stürzten sich unter anderem die Moderna-Wissenschaftler auf die Sequenz und haben sofort damit angefangen, an einem Impfstoff zu arbeiten. Was dann folgte, war die KI-gestützte Suche nach einem Impfstoff. Nach zwei Stunden hat der Computer ein Ergebnis ausgespuckt. Die Präparate, die heute in Millionen von Arme gespritzt werden, sind genau die gleichen, die nach zwei Stunden aus dem Computer rauskamen.

Warum ist die Digitalisierung der globalen Gesundheitsvorsorge so wichtig?

Wir haben eine Chance – wir können schneller sein als das Virus. Denn das Virus verändert sich rasant. Und Computer sind schneller als Eier. Früher wurden Impfstoffe nämlich in Eiern hochgezüchtet; heute werden sie mit Datenanalyse und RNA auf Computerbildschirm und Computerchips hergestellt. Und das ist die einzige Methode, wie wir schneller sein können als das Virus oder zumindest ebenso schnell, um es zu besiegen. Die Verbindung von Medizin, Biologie, Ingenieurwesen und Software eröffnet völlig neue Möglichkeiten.

Schnelligkeit und Effizienz retten also Menschenleben?

Richtig. Auf den ersten Blick wurde ja nur eine Sequenz im Internet veröffentlicht – und innerhalb von wenigen Stunden entstanden in Boston bei Moderna und in Mainz bei BioNTech Präparate, die vor dieser tückischen Erkrankung schützen können. Vor drei, vier Jahren wären diese Schnelligkeit und Effizienz noch unvorstellbar gewesen. Übrigens: Auch beim Kampf gegen den Krebs ist es entscheidend, dass Wissenschaftler und Unternehmen weltweit in der Molekularforschung und in der Gentechnologie zusammenarbeiten.

Beispielsweise geschieht das gerade bei Earli …

Ja, bei Earli haben wir unter anderem Zugriff auf die Datenbank TCGA, The Cancer Genome Atlas. Dort sind die Tumoraktivierungsraten von 20.000 Genen für jeden der dort erfassten 26.000 Patienten gespeichert. Mithilfe des Cloud-Anbieters Amazon Web Services AWS analysieren wir diese gewaltigen Datensätze und suchen nach Genen, die sich für das Aufspüren von Tumorzellen im menschlichen Körper am besten eignen. Daraus haben wir dann eine Liste erstellt, die wir nutzen, um Krebs mithilfe unserer Technologie frühzeitig zu erkennen. Das ist aber noch lange nicht die Datenmenge, die wir in Zukunft im Kampf gegen Krebs brauchen. So haben wir relativ schlechte Datensätze von gesunden Menschen – diese Daten brauchen wir aber, um einen Vergleich mit erkrankten, mutierten Zellen herzustellen. Zudem gibt es Probleme beim Aufbau solcher öffentlicher Datensätze auf internationaler globaler Ebene. Eigentlich sollte es weltweit mehr Datensätze geben, auf die alle zurückgreifen können. Denn auf der ganzen Welt leiden Menschen und deren Angehörige an dieser Krankheit, die wir nur gemeinsam bekämpfen können.

Häufig ist es die Sorge vor einem Missbrauch der Daten, die Menschen daran hindert, ihre Gesundheitsdaten freiwillig zu spenden?

Da haben Sie völlig recht. Entscheidend ist, dass die Anonymität der Datensätze garantiert wird. Das lässt sich relativ leicht gestalten, indem beim Einspeisen der Daten einfach bestimmte Informationen, die personenbezogen sind, nicht eingestellt, nicht freigegeben und nicht weitergereicht werden. Dadurch, dass die Daten bereits von Anfang an, also gleich bei der Eingabe, anonymisiert werden, wird sichergestellt, dass auch später niemand mehr darauf zugreifen kann, weil die Daten ja nie existiert haben.

Es ist vielleicht auch nötig, dass man den Menschen einfach klarmacht, wie wichtig die Digitalisierung für die Gesundheitsvorsorge ist?

Es ist entscheidend, dass wir den Menschen erklären, warum die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin so wichtig sind. Stellen Sie sich mal vor, was in Zukunft alles möglich wäre, wenn Datenanalyse und Künstliche Intelligenz dazu eingesetzt werden, um auf Grundlage eines gesamtheitliche Patientenbilds eine Diagnose zu stellen. Etwa, dass die Arthrose im Fuß gar nicht genetisch bedingt ist, sondern eine vollkommen andere medizinische Ursache hat. Eine KI kann solche Querverbindungen herstellen, die selbst von erstklassigen Ärzten gar nicht oder nur sehr schwer zu erkennen sind. Damit KI aber funktioniert, sind massiv große Datensätze nötig. Und je mehr Kooperationen es in diesem Bereich gibt, desto schneller können wir den Kampf um die Gesundheit der Menschen gewinnen.

Sie sind der CEO eines Start-ups. Warum sind kleine Unternehmen bei der Zukunftsaufgabe Digitalisierung erfolgreicher als etwa Konzerne?

Startups sind ärmer, kleiner und enger fokussiert. Aber sie sind sie schneller. Warum? Weil sie ärmer, kleiner und enger fokussiert sind. Denn wenn man ärmer ist, muss man kreativer sein. Wenn man kleiner ist, muss man effizienter sein. Und wenn man enger fokussiert ist, kriegt man mehr geschafft. Start-ups sind übrigens schon immer die Treiber technologischer Entwicklungen gewesen. In Deutschland waren Mercedes Benz, BMW und SAP auch einmal Start-ups. Und das jüngste erfolgreiche Start-up, das von einem Deutschen gemacht wird, heißt Shopify, sitzt in Kanada und ist 130 Milliarden Dollar wert, so viel wie VW.

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GIGA Gipfelstürmer Event: Mitschnitt der digitalen Veranstaltung vom 15. April zum Thema Global Health Prevention

Werden Sie Teil der Digitalen Bewegung und melden Sie sich hier kostenfrei für die nächsten Digital-Events an.