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MyScribe ist eine Software, die aus bestehenden Daten auf Knopfdruck Arztbriefe generiert. Die zeitsparende Idee wurde mit dem 3. Platz des Health-i Awards 2026 von Die Techniker und Handelsblatt ausgezeichnet.
Die Gründerin Ira Stoll von myScribe mit dem Health-i Award 2026. Foto: Marc-Steffen Unger
Hamburg/Düsseldorf. Wer schon einmal einen Einblick in den Praxis- und Klinikalltag bekommen hat, weiß: Ärztinnen und Ärzte verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit nicht mit ihren Patient:innen, sondern mit administrativen Aufgaben. Etwa 90 Stunden fließen pro Monat in die Dokumentation, unter anderem auch, weil weniger als fünf Prozent aller Daten in einer standardisierten digitalen Form vorliegen.
Welcher immense Zeitaufwand allein mit dem Schreiben von Arztbriefen verbunden ist, weiß die Ärztin Dr. med. Ira Stoll aus eigener Erfahrung. Sie hat deshalb zusammen mit Software-Architekt Lars Stoll eine innovative Software-Lösung entwickelt. MyScribe knüpft an ein Konzept an, das die Ärztin an einer Klinik der Harvard University kennenlernte. Dort wurden Mediziner:innen bei der Dokumentation von speziell geschulten Schreibkräften, den sogenannten Scribes, unterstützt und dadurch entlastet.
An deutschen Kliniken soll diese Aufgabe zukünftig myScribe übernehmen: Die Software, die bereits an 15 Standorten im Einsatz ist, generiert KI-gestützt auf Knopfdruck und innerhalb von Sekunden Arztbriefe aus bestehenden Daten, die in unterschiedlichen Systemen, Datenbanken und Formaten hinterlegt sind.
Eine der größten Herausforderungen dabei: „Wir haben festgestellt, dass viele Kliniken noch nicht bereit sind für KI“, so Ira Stoll. Das Team hinter myScribe beschäftigt sich daher intensiv mit der Aufbereitung vorhandener Schnittstellen. Die Daten werden zunächst in HL7 FHIR – einen internationalen Standard für den elektronischen Austausch von Gesundheitsdaten zwischen verschiedenen IT-Systemen – überführt. Bei Bedarf wird zudem ein Clinical Data Repository (CDR) etabliert, also eine Speicherplattform, die patientenbezogene Gesundheitsdaten aus verschiedenen Quellen zusammenführt, und daraus schließlich fachrichtungsspezifische Arztbriefe generiert.
Mit myScribe sparen Ärzt:innen täglich zwei bis drei Stunden Dokumentationsarbeit – wertvolle Zeit, die zukünftig den Patient:innen zugutekommen kann. Das enorme Potenzial der Software hat die Health-i Jury erkannt und mit dem 3. Platz der begehrten Health-i Awards honoriert.
Laudatorin und Jurymitglied Vanessa Schmoranzer, Expertin für Systems Thinking und Inhaberin Neostability, überreicht Ira Stoll den Health-i Award. Foto: Marc-Steffen Unger
Sichtlich berührt resümierte die drittplatzierte Gewinnerin am Abend der Preisverleihung: „Ich habe schon gewonnen, bevor ich den Preis verliehen bekommen habe. Bereits seit der Nominierung habe ich so viel Wertschätzung und Förderung durch die Initiator:innen und die hochkarätige Jury erfahren, wie ich es aus meinem Klinikalltag gar nicht kenne.“