Intuitiv, schnell und immer aktuell - jetzt Handelsblatt App installieren.
Finanzvergleich AnzeigeSoftwarevergleich AnzeigeImmobilienservices Anzeige


Standing Ovations bei der 11. Health-i Award-Preisverleihung in Hamburg: Drei Gewinner-Unternehmen wurden für ihre innovativen „Health-Tech“-Projekte ausgezeichnet. Den ersten Platz belegte die ida GmbH, deren App Frauen mit metastasiertem Brustkrebs unterstützt.
Die gekürten Teams, Moderator:innen und Laudator:innen der Health-i Awards 2026. Foto: Marc-Steffen Unger
Hamburg/Düsseldorf. „Ich habe schon gewonnen, bevor ich den Preis verliehen bekommen habe“, resümiert die drittplatzierte Gewinnerin, Dr. med. Ira Stoll, Ärztin und Ideengeberin der myScribe-App, sichtlich bewegt am Abend der Health-i Award-Preisverleihung in Hamburg. Bereits seit der Nominierung habe sie so viel Wertschätzung und Förderung durch die Initiator:innen und die hochkarätige Jury erfahren, wie sie es aus ihrem Klinikalltag gar nicht kenne.
Empowering Innovation lautet das Motto der zum elften Mal durchgeführten gemeinsamen Initiative von Handelsblatt und Die Techniker. Vor 150 geladenen Gästen wurden im Design Zentrum Hamburg aus den Top-10-Finalist:innen die drei Gewinner prämiert. „Wir fördern Innovationen im Gesundheitssystem und machen zukunftsweisende Projekte und Start-ups sichtbar“, fasst Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender von Die Techniker, zusammen. „Das Handelsblatt ist für uns der ideale Partner.“ „Wir wollen den jungen Unternehmen Sichtbarkeit verschaffen und sie mit potenziellen Investor:innen und Kooperationspartnern vernetzen“, ergänzt Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin des Handelsblatts. Und fügt hinzu: „Wo kann das besser gelingen als in einem Saal voller Menschen, die etwas bewegen können?“
Wie gut das gelingt, konnte man am Abend der Preisverleihung live beobachten: Stundenlang tauschten sich die Gäste untereinander aus, vernetzten sich und gaben sich Tipps. „Health-i ist ein absoluter Türöffner“, sagt Janneke Lupp – eine, die es wissen muss. Die Vorjahresgewinnerin hat die goodscare group gegründet und schwärmt von den zahlreichen Möglichkeiten, die sich seit ihrem Sieg ergeben haben. In diesem Jahr saß sie selbst in der Jury.
Das Sieger-Start-up erwartet aber nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern ein Gewinnerpaket mit drei Workshop-Gutscheinen: für LinkedIn, Venture Capital und Wirkungskompetenz für Gründer:innen. „Empowering Innovation ist beim Health-i kein loses Versprechen, wir fördern die Start-ups sehr konkret“, sagt Florian von Trotha, Managing Partner bei Dieter von Holtzbrinck Ventures und ebenfalls Jury-Mitglied.
v. l. n. r. Lara Sophie Bothur, Inga Bergen, Janneke Lupp, Katarzyna Mol-Wolf, Foto: Marc-Steffen Unger
Rund 68.000 Frauen leben in Deutschland mit metastasiertem Brustkrebs, 21.000 erkranken pro Jahr neu daran. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Maria Margarete Karsten und Dr. med. Therese Pross, MBA, entwickelt die ida GmbH die ida-care-App – eine individuelle digitale Assistentin, die Frauen mit metastasiertem Brustkrebs während ihrer gesamten Behandlung unterstützt.
„Betroffene können über die App ihre Symptome erfassen und erhalten evidenzbasierte Empfehlungen, wie sie damit umgehen sollten“, so die Gründerin Karsten. „Wenn sich ihr Zustand kritisch verschlechtert, erkennt die App dies und informiert sofort das behandelnde Team“. Dank der App sind die Ärzt:innen stets über den Gesundheitszustand der Patientin informiert und können anlassbezogen schnell eingreifen.
Mit durchschlagendem Erfolg: Die Sterblichkeit sinkt um 29 Prozent. Die Health-i Jury ist sich sicher: Das hat den ersten Platz verdient!
Die Gründerinnen von CatMedica kennen sich mit Medizin und Finanzen bestens aus: Privat-Dozentin Dr. med. Yasemin Tanyildizi ist Neuroradiologin mit über zehn Jahren OP-Erfahrung und Anne Vallersnes ist Finanzexpertin mit über 20 Jahren Erfahrung im internationalen Kapitalmarkt. Ihr Produkt, ein trichterähnliches Device, das mit den gängigen Katheter-Systemen kompatibel ist, soll die Schlaganfall-Behandlung revolutionieren.
„Bei einem Schlaganfall bildet sich ein Blutgerinnsel im Gehirn, welches das Blutgefäß verstopft“, erklärt die Ärztin. „Es muss so schnell wie möglich entfernt werden, weil bei einem Schlaganfall pro Minute zwei Millionen Hirnzellen absterben“. Neben Medikamenten kommt dazu eine Katheter-Behandlung infrage. „Mit der herkömmlichen Methode, das Gerinnsel mit einem Stent-Retriever zu entfernen, gelingt dies jedoch nur in jedem dritten Fall beim ersten Versuch“, schildert Tanyildizi das Problem. „Mit unserem Device hingegen ist es in über 90 Prozent der Fälle bereits beim ersten Versuch möglich, das Gerinnsel vollständig zu entfernen.“
Die Jury des Health-i Awards weiß: „Time is brain!“ Und zeichnet CatMedica mit dem zweiten Platz aus.
Welchen Zeitaufwand das Schreiben von Arztbriefen einnimmt, weiß Ira Stoll, Ärztin und Ideengeberin der myScribe-App, aus eigener ärztlicher Erfahrung. Gemeinsam mit Softwarearchitekt Lars Stoll hat sie myScribe ins Leben gerufen. Der Name leitet sich von dem englischen Begriff Scribes ab; dies sind speziell geschulte Schreibkräfte, die Ärzt:innen bei der Dokumentation unterstützen und entlasten. Dieses Konzept lernte Ira Stoll während ihrer Arbeit an einer Klinik der Harvard University kennen.
Das inzwischen zehnköpfige Team aus Mannheim bringt mit myScribe medizinische Informationen aus bestehenden Daten, die verteilt in unterschiedlichen Systemen, Datenbanken und Formaten liegen, zusammen und macht sie nutzbar. Mithilfe einer intelligenten Software lassen sich so auf Knopfdruck fachrichtungsspezifische Arztbriefe erstellen. Die Zeitersparnis ist bemerkenswert: Dank myScribe können Ärzt:innen täglich zwei bis drei Stunden Dokumentationsarbeit einsparen!
Besonders überzeugt hat die Jury, dass myScribe nicht nur eine vielversprechende Idee präsentiert, sondern schon den Schritt in die Praxis – beziehungsweise Klinik – geschafft hat: Die Software ist bereits in 16 deutschen Kliniken im realen Einsatz, und die weitere Skalierung läuft. myScribe wurde beim Health-i mit dem dritten Platz ausgezeichnet.
„Evidenz ist einfach sexy“, rutscht es Prof. Dr. Ariel Dora Stern auf der Bühne raus, vor lauter Begeisterung über die hohe Qualität der diesjährigen Bewerbungen um den begehrten Preis. Stern ist Gesundheitsökonomin und leitet den Lehrstuhl für Digital Health, Economics and Policy am Hasso-Plattner-Institut, dem wissenschaftlichen Partner des Health-i. „Neben Skalierbarkeit und klinischer Relevanz prüfen mein Team und ich vor allem die Evidenz der ‚Health-Tech’-Projekte. Diese war 2026 besonders hoch“, lobt die Digital-Health-Enthusiastin.
Das gilt auch für das Produkt von CatMedica, die den zweiten Platz belegten. Die Gründerinnen, Privat-Dozentin Dr. med. Yasemin Tanyildizi und Anne Vallersnes, überzeugten die Jury mit ihrem innovativen Produkt zur Blutgerinnsel-Entfernung beim Schlaganfall. Beide Frauen sind vom Fach: Tanyildizi ist Neuroradiologin und Vallersnes ist internationale Finanzexpertin. Über den zweiten Platz sagen sie stolz: „Der Health-i Award bestärkt uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir wollen die Schlaganfall-Behandlung revolutionieren. Die Anerkennung und das Netzwerk des Health-i sind dafür enorm hilfreich.“
Karrieretipps für Start-ups gab es am Abend auch von prominenter Seite: Georg Kofler, bekannt aus der TV-Show Die Höhle der Löwen, und seine Frau Isabel Grupp-Kofler, Familienunternehmerin, ermutigten zum Gründen. „Respekt vor allen, die gründen – selbst wenn sie auch mal scheitern sollten. Seid mutig, seid beharrlich und macht weiter!“, motiviert Georg Kofler, „und macht euch unabhängig vom Applaus der anderen“. Scheitern gehöre zum Unternehmertum, auch er sei schon gescheitert. „Gebt nicht auf“, bekräftigt Isabel Grupp-Kofler und bestärkt vor allem die vielen weiblichen Gründerinnen im Publikum: „Frauen, traut euch was!“
v. l. n. r. Georg Kofler, Isabel Grupp-Kofler, Kirsten Ludowig, Foto: Marc-Steffen Unger
Mit Freudentränen und Standing Ovations endete die diesjährige Preisverleihung für das Sieger-Start-up. Ida, die von der ida GmbH entwickelte individuelle digitale Assistentin, begleitet und unterstützt Frauen mit metastasiertem Brustkrebs während ihrer Behandlung. Laudatorin Inga Bergen hielt eine sehr persönliche Ansprache und warnte das Publikum scherzhaft vor: „Nun wird es etwas oversharing.“ Sie habe vor neun Jahren, als sie selbst eine Krebs-App ins Leben rufen wollte, die Diagnose Brustkrebs erhalten, was sie komplett aus der Bahn geworfen habe. „Im Verlauf der Behandlung habe ich starke Beschwerden bekommen, und da ich niemanden stören wollte, habe ich erst im letzten Moment ärztliche Hilfe gerufen. Ich hatte eine Sepsis! Es ist nicht selbstverständlich, dass ich heute hier stehe.“ Mit einer digitalen Lösung wie der ida-App wäre die Blutvergiftung viel früher aufgefallen, denn ein klinisch validierter Algorithmus erkennt kritische Verschlechterungen und informiert das Behandlungsteam in Echtzeit. Für Bergen ist klar: Eine Health-App kann Leben retten.
Prof. Dr. med. Maria Margarete Karsten, Gründerin von ida, und ihr Team sind überwältigt von der Auszeichnung: „Damit haben wir nicht gerechnet. Wir mussten in den letzten Jahren gegen so viele Hürden und Bedenkenträger kämpfen. Dass die hochkarätigen Expertinnen und Experten aus der Jury unsere App gut finden, ist eine unglaubliche Wertschätzung.“ Auch sie will den Health-i nutzen, um sich künftig stärker zu vernetzen. „Wir müssen auch mal mehr auf LinkedIn machen“, so Karsten. Mit dem Workshop-Gutschein aus dem Gewinner-Paket ist sie dafür bestens gerüstet.
Fotos: Marc-Steffen Unger