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Der Strombedarf der Industrie wächst. Immer mehr Produktionsprozesse werden elektrifiziert, Rechenzentren benötigen zusätzliche Kapazitäten und fossile Energieträger werden schrittweise ersetzt. Als ertragreiche Energiequelle mit großem Ausbaupotenzial entwickelt sich die Offshore-Windenergie damit zu einem zentralen Baustein der Energieversorgung. Mit Borkum Riffgrund 3 hat Ørsted Ende August einen der bisher größten Offshore-Windparks Deutschlands in Betrieb genommen. Das Projekt zeigt, wie erneuerbarer Strom heute bereits in großem Maßstab für Unternehmen bereitgestellt werden kann und welche Rolle Offshore-Windenergie künftig für die Energieunabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas spielt.

Borkum Riffgrund 3 zählt zu den größten Offshore-Windparks Deutschlands | Bild: Ørsted
Mit einer installierten Leistung von 913 Megawatt ist Borkum Riffgrund 3 setzt das Offshore-Windprojekt neue Maßstäbe in Deutschland. Die 83 Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils 11 Megawatt stehen rund 53 Kilometer vor der Insel Borkum. Der Vergleich mit den Anfängen der Offshore-Windenergie verdeutlicht den technologischen Fortschritt: So verfügte der erste Offshore-Windpark der Welt, Vindeby in Dänemark, Anfang der 1990er-Jahre mit 11 Turbinen über eine Gesamtleistung von lediglich fünf Megawatt.
Die Dimension des Projekts ist jedoch nur ein Teil seiner Besonderheit. Borkum Riffgrund 3 war der erste deutsche Offshore-Windpark, der in einer Ausschreibung mit einem Gebot von null Cent pro Megawattstunde den Zuschlag erhielt. Das bedeutet, dass für die erzeugte Strommenge keine staatliche Förderung über den Strompreis erfolgt. Möglich wurde dies durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Leistungsstärkere Windenergieanlagen senken die Stromgestehungskosten, während der Standort in der Nordsee mit konstant hohen Windgeschwindigkeiten besonders günstige Bedingungen für die Stromproduktion bietet. Hinzu kommen langfristige Stromabnahmeverträge mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen.
Diese sogenannten Corporate Power Purchase Agreements, kurz CPPAs, schaffen Planungssicherheit für beide Seiten. Unternehmen sichern sich langfristig erneuerbaren Strom zu vertraglich vereinbarten Konditionen. Der Windparkbetreiber kann mit kalkulierbaren Erlösen aus der Stromvermarktung rechnen. Für Borkum Riffgrund 3 wurden entsprechende Verträge über insgesamt 786 Megawatt mit Covestro, Amazon, der REWE Group, BASF und Google abgeschlossen – mit einer Laufzeit von 10 bis 25 Jahren.
Der erzeugte Strom fließt damit direkt in Bereiche, deren Energiebedarf kontinuierlich wächst – von der chemischen Industrie über die Lebensmittelbranche bis hin zu digitalen Infrastrukturen. Denn immer mehr Unternehmen elektrifizieren ihre Prozesse, um Emissionen zu senken und unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich große Mengen erneuerbaren Stroms zuverlässig bereitstellen lassen.
Offshore-Windenergie lässt sich vergleichsweise schnell in großem Maßstab ausbauen und hat das Potenzial, Strom in einer Größenordnung zu erzeugen, die dem heutigen Bedarf der deutschen Industrie entspricht. Borkum Riffgrund 3 zeigt, welche Größenordnung moderne Offshore-Windparks inzwischen erreichen: Einzelne Projekte verfügen heute über eine Leistung, die mit konventionellen Kraftwerken vergleichbar ist. Über eine Betriebszeit von bis zu 35 Jahren können Windparks auf See so zuverlässig große Mengen erneuerbaren Stroms liefern und damit einen wichtigen Beitrag zu einer widerstandsfähigeren Energieversorgung leisten, die weniger anfällig für internationale Krisen und Preisschwankungen ist.

Gerade dieser Beitrag zur Versorgungssicherheit gewinnt an Bedeutung. Denn mehr als 60 Prozent des Energiebedarfs in Deutschland werden weiterhin durch Importe gedeckt: Laut Eurostat lag der Anteil der Nettoimporte am deutschen Energieverbrauch im Jahr 2024 bei rund 67 Prozent. Damit bleibt das Land in erheblichem Umfang von fossilen Energieträgern aus dem Ausland abhängig. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell geopolitische Entwicklungen oder volatile internationale Märkte erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise haben können. Ein größerer Anteil heimisch erzeugter erneuerbarer Energie kann dieses Risiko verringern. Gleichzeitig erhöht ein wachsendes Angebot erneuerbaren Stroms den Wettbewerb am Strommarkt und kann langfristig stabilisierend auf den Großhandelspreis wirken.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Offshore-Windenergie reicht jedoch weit über die reine Stromerzeugung hinaus. Planung, Bau, Logistik, Hafenwirtschaft, Betrieb und Wartung schaffen Wertschöpfung entlang einer komplexen Lieferkette, die sich über zahlreiche Regionen Deutschlands erstreckt.
Davon profitieren längst nicht nur die Bundesländer an der Küste. Auch Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder dem Saarland liefern Komponenten, Maschinen oder spezialisierte Dienstleistungen für Offshore-Projekte wie Borkum Riffgrund 3. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) entstanden im Jahr 2025 deutschlandweit mehr als 31.000 Vollzeitarbeitsplätze. Die Bruttowertschöpfung belief sich auf rund 14,6 Milliarden Euro.
Borkum Riffgrund 3 macht zugleich deutlich, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie längst eine europäische Gemeinschaftsaufgabe ist. Turbinen und Fundamente stammen aus Deutschland und Dänemark, Kabel aus Deutschland und Frankreich. Für die Installation kamen Spezialschiffe aus den Niederlanden und Belgien zum Einsatz.
Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht die Branche verlässliche Rahmenbedingungen. Offshore-Windparks werden für Jahrzehnte geplant, finanziert und betrieben. Entsprechend wichtig sind Investitionsbedingungen, die Planungssicherheit schaffen und Finanzierungskosten begrenzen. Aus Sicht vieler Marktteilnehmer wie Marktführer Ørsted gehören dazu insbesondere beidseitige, indexierte Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs), die Investitionsrisiken zwischen Staat und Investoren ausgewogener verteilen können.
Mit dem Bau neuer Windparks allein ist es jedoch nicht getan. Erst wenn der erzeugte Strom zuverlässig zu Industrie und Haushalten transportiert werden kann, entfaltet Offshore-Wind seinen volkswirtschaftlichen Nutzen. Der schnelle und synchronisierte Ausbau der Stromnetze ist daher entscheidend
Die Inbetriebnahme von Borkum Riffgrund 3 ist ein wichtiger Meilenstein. Entscheidend ist nun, den Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland konsequent fortzusetzen. Denn nur so lassen sich die zusätzlichen Strommengen zu planbaren Kosten bereitstellen, die eine zunehmend elektrifizierte Industrie und Wirtschaft benötigen. Mit jedem weiteren Offshore-Windpark wächst zugleich der Anteil heimisch produzierter erneuerbarer Energie – und damit die Unabhängigkeit Deutschlands und Europas von fossilen Energieimporten.
Ørsted ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb von Offshore-Windparks, mit Fokus auf den europäischen Markt. Mit 35 Jahren Erfahrung in der Offshore-Windkraft hat Ørsted 10,2 GW Offshore-Kapazität installiert und weitere 8,1 GW sind derzeit im Bau. In Deutschland ist Ørsted mit einer Kapazität von 2,5 GW Markführer im Bereich Offshore-Wind. Zu der insgesamt installierten Kapazität der erneuerbaren Energien von über 18 GW in Europa, in der Asien-Pazifik-Region und in Nordamerika, zählen außerdem Onshore-Windkraft, Solarstrom, Energiespeicher- und Bioenergieanlagen sowie der Energiehandel. Ørsted gilt als eines der global führenden Unternehmen für Nachhaltigkeit, mit der Vision einer Welt, die vollständig auf grüne Energie setzt. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Dänemark. Weltweit beschäftigt Ørsted rund 7.700 Mitarbeiter*innen, davon rund 320 in Deutschland.