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Am Anfang geht es um den Wunsch, das Leben von Patient:innen zu verbessern – am Ende darum, die Lösung dafür zu verwirklichen. Ausgesprochen erfolgreich waren dabei die diesjährigen Health-i Preisträger:innen.

Zehn Start-ups pitchten ihre Lösungen vor dem Publikum, die besten drei wurden ausgezeichnet: Alle Vertreter:innen und einige Mitglieder der Jury posieren zum Schluss zum Gruppenbild.| Foto: Marc-Steffen Unger
Innovation ist seit mittlerweile neun Jahren der unveränderliche Kern der Health-i Initiative von Techniker Krankenkasse und Handelsblatt. Dass die Kür der innovativsten Digitallösungen für den Gesundheitssektor für die Health-i Jury demnach – beinahe ebenso aus Tradition – eine anspruchsvolle Aufgabe war, zeigen die Ausgezeichneten der Health-i Awards 2024. Die Kriterien lauteten: Neuartigkeit, Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und Nutzen für Patient:innen. „In der diesjährigen Jury-Sitzung hat man deutlich gemerkt, welchen Wert Digitalisierung im Gesundheitswesen inzwischen hat. Es gibt in Deutschland wahnsinnig viele Ideen und viele schlaue Köpfe“, sagt Charlotte Haunhorst, Head of Digital und Mitglied der Handelsblatt-Chefredaktion. Dr. Jens Baas, als Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse ebenso Teil der Health-i Jury wie Charlotte Haunhorst, sieht neben den inspirierenden Lösungen aber auch Herausforderungen, die das Innovationstempo in Deutschland bremsen. Insbesondere die bürokratischen Hürden für die Einführung von digitalen Gesundheitslösungen seien noch zu hoch und der Datenschutz zu unflexibel. „Gerade beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns das auf Dauer erlauben können“, sagt er.
Unter anderem beim Health-i Inspiration-Talk „Digital Health 2050 – Innovationen und Visionen für die Gesundheitsversorgung“ stand das Potenzial von KI im Vordergrund. Professorin Ariel Stern, die die Health-i Initiative mit einem Team vom Hasso-Plattner-Institut als wissenschaftlicher Partner unterstützt, und Dr. Tilman Schlick, Vice President Medical Affairs bei Intuitive Surgical, betrachten KI in der Medizin vor allem als Werkzeug und nicht als eigenständig agierendes System. Wie eine Mensch-Maschine-Kooperation bereits heute gut funktioniert, konnten die Besucher im Anschluss bei der Bedienung des Operationsroboters „Da Vinci“ herausfinden. Der Gerätetyp ist bereits deutschlandweit für minimalinvasive Operationen im Bauchbereich im Einsatz.
Vor der Preisverleihung präsentierten die zehn nominierten Start-ups dem Publikum im Auditorium in 90-Sekunden-Pitches ihre digitale Gesundheitsentwicklungen. Wenig später folgte die Bekanntgabe der Platzierten. Das sind sie:

CEO Thorsten Lubinski (li.), Catalina Plesmann, Head of Marketing, und Nathan Quelle von der DiaMonTech AG. | Foto: Marc-Steffen Unger
Platz 1: DiaMonTech hilft Diabetes-Patient:innen
Der erste Platz geht an das Berliner Start-up DiaMonTech für sein neuartiges, laserbasiertes Messverfahren, mit der Menschen ihren Blutzuckerwert ohne Piksen messen können. Dazu müssen sie lediglich einen Finger auf eine optische Schnittstelle legen. Ein Infrarotlaser erhitzt die Glukosemoleküle in der Haut und misst die entstehende Wärme.
Ein größeres Profi-Messgerät ist bereits seit 2019 im Einsatz. Ein etwa Smartphone-kleiner Prototyp für Endkunden kommt 2026 auf den Markt, und mit Samsung entwickelt das Unternehmen gerade einen miniaturisierten Sensor, der in eine Smartwatch eingebaut wird. „Wir sind sehr stolz und sehr froh, dass wir es geschafft haben“, erklärt Thorsten Lubinski, Co-Founder und CEO der DiaMonTech AG bei der Entgegennahme des Preises. „Wir freuen uns, das Gerät auf den Markt zu bringen und hoffentlich die Lebensqualität von vielen Menschen zu verbessern.“

Alisa Öhrström, Direktorin Produktmanagement, und Pedro Marques, CCO, von Precisis mit der Health-i Trophäe. | Foto: Marc-Steffen Unger
Mit seiner innovativen Hilfe für Epilepise-Patienten landet das Heidelberger Unternehmen Precisis GmbH (EASEE) auf Platz zwei. Der Hintergrund: Nicht alle rund 800.000 Menschen, die in Deutschland unter Epilepsie leiden, können mit Medikamenten gut eingestellt werden. Mit einer minimalinvasiven elektrischen Stimulation durch Elektroden zwischen Kopfhaut und Schädeldecke wird Studien zufolge bei mehr als zwei Dritteln dieser Patient:innen die Zahl der Anfälle reduziert.
„Mir liegt unser Produkt sehr am Herzen. Es wichtig, weil wir damit so vielen Menschen helfen können. Dass wir jetzt mit unserer Herzensangelegenheit die Jury überzeugen konnten und diese Auszeichnung bekommen haben, ist überwältigend“, freute sich Alisa Öhrström, Director Product Management bei Precisis. Und Pedro Marques, Chief Commercial Officer, fügte hinzu: „Der Health-i Award ist eine der schönsten Anerkennungen für das, was wir bisher geschafft haben. Das Team gibt sich alle Mühe, für die Patienten, die wir behandeln, eine gute Lebensqualität zu erreichen. Wir freuen uns sehr darüber!“

Die beiden Co-Founder Elias Hofmann (li.) und Nils Bergmann von dianovi (ehem. MySympto) freuen sich mit dem Health-i Award in ihren Händen über ihre Platzierung. | Foto: Marc-Steffen Unger
Für die Gründer von MySympto aus Darmstadt war ihre Entwicklung ebenso eine Herzensangelegenheit: Aus ihrem privaten Umfeld kennen Nils Bergmann und Elias Hofmann die Herausforderungen für meist junge Ärzt:innen in der Notaufnahme. Mit ihrem KI-gestützten virtuellen Assistenten wollen sie Ärzt:innen bei der Diagnosefindung in der Notaufnahme unterstützen und die Behandlungsqualität deutlich verbessern. Dazu vergleicht der KI-Assistent die Daten des eingelieferten Notfalls mit bereits gespeicherten Falldaten, identifiziert wahrscheinliche Diagnosen und sorgt dafür, dass Ärzt:innen keine Untersuchung vergessen.
„Der Health-i Award ist für mich die größte Auszeichnung und eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das zeigt mir, dass auch andere Leute an unsere Idee glauben“, sagt Nils Bergmann. Elias Hoffman fügt hinzu: „Es gibt viele Höhen und Tiefen bei der Entwicklung. Solche Momente wie heute motivieren, wenn es mal nicht so gut läuft. Wir nehmen den Health-i Award mit Freude entgegen und schauen positiv in die Zukunft und machen weiter unser Ding!“
Wie schon im Vorjahr schaut die Health-i Jury auch über die Grenzen Deutschlands hinaus und zeichnet ein ausländisches Start-up für seine Leistungen aus. Den Sonderpreis „International Health Innovator of the Year“ erhalten in diesem Jahr Joel Gibbard und Samantha Payne, Gründer des britischen Start-ups Open Bionics. Das Unternehmen fertigt leichter zugängliche und kostengünstige Prothesen aus dem 3D-Drucker nach der Vorlage von Disneys Superhelden. CEO Gibbard wurde aus Bristol live zur Preisverleihung in der Factory Hammerbrooklyn in Hamburg dazugeschaltet. Vor allem eines wollte er das gut 200-köpfige Publikum wissen lassen: „Der Sonderpreis ist eine großartige Anerkennung unserer neuesten Innovation in Deutschland, dem ‚Hero‘-Handschuh‘, sowie des ‚Hero‘-Arms, einer der fortschrittlichsten Prothesen für Kinder und Erwachsene in Europa. Vielen Dank!“