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Die zehnten Health-i Awards zeigen erneut die enorme Innovationsbandbreite deutscher Health-Tech-Start-ups: KI hilft immer öfter dabei, absehbare Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung zu entschärfen.

Hamburg/Düsseldorf. Was haben Kunst und Innovation gemeinsam? Ohne das passende Umfeld werden sie häufig übersehen. Die passende Anekdote dazu erzählt Health-i Jurorin Julia Neuen bei ihrer Laudatio für die Sieger der Health-i Awards 2025: Ein Weltklasse-Geiger, der Konzerthäuser füllt, spielt in einer U-Bahn-Station die schwierigsten klassischen Musikstücke auf einer gut vier Millionen Euro teuren Stradivari-Geige. Die Bilanz des Experiments, das im Jahr 2007 tatsächlich so stattfand: Nur einer von tausend Menschen, die vorbeigingen, erkannte den Geiger.
Die Lehre daraus: „Selbst die größte Leistung wird übersehen, wenn sie uns im falschen Kontext begegnet“, sagt Neuen. „Mit der Health-i Initiative schaffen wir den richtigen Kontext für echte Pionierleistungen in der Gesundheitsversorgung - denn sie haben es alle verdient gesehen zu werden.“
„Alle“, das sind im Fall der Health-i Preisverleihung die Top-10-Start-ups, die sich vor der Bekanntgabe der Gewinner noch einmal kurz den 220 geladenen Gästen in der Hamburger Factory Hammerbrooklyn präsentierten. Bereits seit 2016 bereitet die gemeinsame Initiative von Handelsblatt und Techniker Krankenkasse innovativen Lösungen aus dem Gesundheitsbereich eine Bühne, um ihre Entwicklung zu fördern.
„Während es in der Anfangszeit schon herausragende Start-ups gab, war die qualitative Streuung noch recht hoch“, erinnert sich Jens Baas, Health-i Co-Initiator und Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. „Es gab aber durchaus auch Ideen, die keinerlei Realisierungschance hatten. Das hat sich geändert: Heute bewerben sich für die Health-i Awards fast nur noch gut aufgestellte junge Unternehmen mit hochwertigen Produkten oder Services. Das macht uns die Auswahl der Gewinner nicht einfacher.“
Nicht nur das Start-up-Umfeld hat sich verändert; auch die Anforderungen an den Gesundheitsmarkt sind inzwischen andere als vor zehn Jahren. „Wir werden älter und leiden immer öfter an nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs“, sagt Dr. Ariel Stern. „Unser Gesundheitssystem berücksichtigt diese Entwicklung aber nicht ausreichend: Wir vergüten vor allem Versorgung, aber nicht Gesundheit.“ Die Professorin leitet am Hasso-Plattner-Institut den Fachbereich Digital Health, Economics & Policy und unterstützt die Health-i Initiative als wissenschaftliche Partnerin. Ihr Appell an Politik und Krankenkassen: „Vorsorge muss stärker in den Fokus rücken, um frühzeitige Therapieerfolge zu erzielen, anstatt spät und meist teuer zu behandeln.“
Teil einer klugen Vorsorge, aber auch schneller Diagnosen, sind Schnelltests, die Health-i Gewinner gc diagnostics mit seinem „Igloo Pro Multireader“ in Laborqualität auswertet. Rund 90 Prozent aller Schnelltest auf Teststreifenbasis kann das Gerät auslesen und die Erkenntnisse digital und datenschutzkonform für Patient:innen, Ärzt:innen oder Apotheker:innen zur Verfügung stellen.
„Testen, wissen, handeln“, beschreibt gc-diganostics-Gründerin Janneke Lupp den Dreiklang, an dem sich das Team bei der Entwicklung orientiert hat. Mit dem „Igloo“ leistet die 2023 gegründete Business-Unit einen wichtigen Beitrag für die Vor-Ort-Gesundheitsversorgung, befand die Jury der Health-i Initiative und zeichnete gc diagnostics deshalb mit dem Health-i Award (Platz 1) aus.
Das Team von Inzipio belegt den zweiten Platz mit seiner Lösung, die Chirurg:innen die virtuelle Planung von Eingriffen in der Orthopädie oder Mund- und Gesichtschirurgie samt dafür nötiger Implantate oder Knochentransplantate erlaubt. Bisher werden solche Planungsprozesse meist von externen Dienstleistern übernommen. Inzipio bringt die Planung wieder zurück in die Hände der behandelnden Ärzt:innen.
„Kommunikationsprobleme zwischen Ingenieur:innen und Chirurg:innen gehören damit der Vergangenheit an“, sagt Tobias Pankert, Co-Founder von Inzipio. In Summe macht die Software die Planung bis zu 90 Prozent schneller und 50 Prozent günstiger. Patient:innen erhalten somit schneller Hilfe als bisher.
Um schnellere und bessere Ergebnisse geht es auch beim Drittplatzierten der Health-i Awards 2025, admorai. Das Start-up hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Gewebeproben, beispielsweise aus Biopsien, digital mit Hilfe von KI in wenigen Minuten einfärben lassen. Bisher wurden solche Proben ausschließlich chemisch eingefärbt. Das dauerte selbst bei automatischen Färbestraßen rund eine Stunde und hinterließ chemisch belastete Gewebeproben, die speziell entsorgt werden mussten. Dieses komplizierte Vorgehen gehört dank admorai nun der Vergangenheit an.
Allein in der DACH-Region steigt die Zahl der Proben laut admorai weiterhin an. Schon jetzt werden jährlich rund hundert Millionen Gewebeproben eingefärbt. Zusätzlich ist Pathologie-Personal immer schwerer zu finden. „Es bleibt im Prinzip keine Wahl: Disruptive Technologien wie unsere KI sind notwendig, um die flächendeckende Patientenversorgung auch in Zukunft aufrecht zu erhalten“, sagt Ali Eissing-Al-Mukahal, leitender Ingenieur bei admorai. Das Start-up bietet eine passende Lösung für dieses Problem, von der vor allem auch die Patient:innen profitieren: Unter anderem in der Krebsdiagnose sorgen schnellere pathologische Untersuchungen für einen früheren Therapiebeginn.

Damit Lösungen wie die der drei ausgezeichneten Start-ups auch in der Versorgung ankommen, gilt es, die wichtigsten Akteure mitzunehmen: die Mediziner:innen selbst. „40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben ihre komplette medizinische Ausbildung vor dem ersten iPhone-Launch im Januar 2007 abgeschlossen“, sagt Dr. Ariel Stern. „Wir können nicht erwarten, dass diese Menschen gleich jede neue Technologie freudig annehmen. Sowohl die Anbieter als auch die Versorger müssen ihren Beitrag leisten, Wissenslücken zu schließen.“
Die Health-i Initiative trägt mit ihrer Funktion als Bühne und Kontaktfläche zu wichtigen Entscheider:innen im Gesundheitswesen ihren Teil dazu bei, Innovationen vom Pitch in die Praxis zu bringen. „Im inzwischen zehnten Jahr zeigen wir, dass Health-i ein kleines Ökosystem mit großer Wirkung ist“, sagt Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin des Handelsblatts. „Innovationen wie die hier gezeigten tragen dazu bei, dass mehr Menschen länger gesünder leben. Das sichert nicht zuletzt auch das Wachstum und den Wohlstand in Deutschland.“
Am Ende braucht es für Start-ups zwar keine Stradivari, aber eine entsprechende Bühne und eine wertvolle Community, um gehört zu werden und ihre Gesundheitslösung erfolgreich am Markt zu etablieren.