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Sind wir eine AI-First-Company? Und wenn nicht, was verpassen wir? Fragen wie diese stellen sich viele Unternehmen aktuell. Die Antwort liegt auf der Hand: Mit KI lassen sich Prozesse effizienter gestalten, Kosten senken und – für diejenigen, die einen Schritt weiterdenken – neue Geschäftsmodelle entwickeln. Doch wie wird ein Unternehmen zu einer echten AI-First-Company?
Martin Weis, Managing Director Germany and Switzerland bei Infosys Consulting, spricht beim Pre-Event vor dem Handelsblatt KI Summit in München. Foto: Infosys
„Ja, wir sind inzwischen eine AI-First-Company – wo immer AI einen Mehrwert für unser Kerngeschäft liefert“, sagt Kira Engelhardt, Global Head of Data & AI – Energy Networks beim Energieversorger Eon. Im Rahmen eines exklusiven Pre-Events vor dem Handelsblatt KI Summit in München erklärt sie, wie Eon KI nutzt, um seine Mission zu erfüllen: die Energiewende für eine vernetzte und nachhaltige Welt vorantreiben.
Das globale Technologie- und Beratungsunternehmen Infosys brachte in der Session geladene Gäste aus unterschiedlichen Industrien zusammen, um über aktuelle Lösungsansätze für den Einsatz von KI in Unternehmen zu diskutieren.
Neben handfesten Herausforderungen wie dem EU AI Act zur Regulierung von KI-Systemen kristallisierte sich dabei besonders ein wichtiges Thema heraus: das Mindset der Mitarbeitenden. Unternehmensinterne Aktivitäten sind die Voraussetzung dafür, dass alle in die Lage versetzt werden, KI verantwortungsbewusst einzusetzen. Das gelingt in der Regel aber nur dann, wenn das Management sich zu den Chancen von KI bekennt und entsprechend handelt.
Bei Eon ist das der Fall. Engelhardts Team ist in nur zwei Jahren von 40 auf 130 Personen gewachsen – ein klarer Beweis für die strategische Bedeutung des Themas. KI hilft bei Eon beispielsweise, Schwankungen in der Stromlast vorherzusagen, die durch wechselnde Nachfrage einerseits und wechselndes Wetter bei der Produktion von Wind- oder Solarstrom andererseits begründet sind. Durch die Analyse umfangreicher Datenpunkte ermöglicht KI eine stabile Stromversorgung. „KI ist ein Muss, damit wir eine sichere Stromversorgung bereitstellen können“, sagt Kira Engelhardt.
Doch die größte Hürde für viele Unternehmen bleibt die Datenqualität. Oft existieren Daten isoliert in einzelnen Abteilungen und müssen erst zusammengeführt und aufbereitet werden, bevor KI sie analysieren kann – und das alles unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben. Bei Eon arbeitet daher die Hälfte der Data Scientists am sogenannten Data Engineering, der Datenaufbereitung.
„Datenqualität ist das Ein und Alles“, sagt Dr. Sebastian Walter, Vice President Digital and Consulting bei der Otto Group Holding. Doch bei vielen Unternehmen gibt es hier noch Nachholbedarf, was die Zugänglichkeit von Daten angeht. Walter: „Es gibt ein Wonderland an Daten, das im Moment noch nicht zugänglich ist.“
Um dieses neue Terrain zu erschließen, ist eine fundierte KI-Strategie notwendig. Neben der Technik braucht es daher klare Richtlinien. „Wenn Sie keine eigene KI-Strategie haben, sollten Sie Ihrer Unternehmensstrategie zumindest ein KI-Kapitel hinzufügen“, empfiehlt Martin Weis, Managing Director Germany and Switzerland bei Infosys Consulting. „Wenn Sie eine KI-Strategie haben, dann sind auch Ihre Projekte erfolgreicher“, ist Weis überzeugt.
Zu derartigen Strategien gehören aber nicht allein betriebswirtschaftliche Größen. „Wir müssen Responsible AI priorisieren“, fordert Andrea Hendrickx, Country Head Germany bei Infosys. Der verantwortungsvolle Umgang mit KI ist unerlässlich, um nicht in ethische oder rechtliche Konflikte zu geraten. „Auch das ist eine Frage des Mindsets.“ Unternehmen sollten dafür Schulungen und klare Prozesse etablieren.
Dieser Verantwortung werden Unternehmen nicht nur durch eine strategische Verankerung von KI im Unternehmen gerecht, sondern auch, indem KI nicht als abgehobene Blase innerhalb des Unternehmens existiert. Noch sind viele KI-Anwendungen Grundlagenforschung. Doch die Verknüpfung von KI-Teams mit der IT und dem Business kann konkrete Use-Cases ermöglichen und Projekte schneller live bringen.
„Wir können jetzt vielleicht noch keine neuen Geschäftsmodelle aus KI entwickeln – aber in einigen Jahren schon“, sagt Walter von der Otto Group. Um dann wettbewerbsfähig zu sein, müsse man heute investieren. Einige Unternehmen gehen bereits so weit, KI-Agenten als festen Bestandteil ihrer Organisationsstruktur zu verankern.
Ob ein Unternehmen „AI first“ ist, wird sich in Zukunft nicht nur an Visionen, sondern vor allem an Strukturen zeigen. Wenn KI zur Kernkompetenz einer Organisation zählt, zeigt sich das künftig schon im Tagesgeschäft – und nicht allein in Imagekampagnen.