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Ishikari Bay New Port Offshore Windfarm, Hokkaido
In einer von Bergen gesäumten Bucht vor der Küste von Hokkaido, Japan, ragen vierzehn riesige Windturbinen aus dem Wasser. Das Drehen ihrer 80 Meter langen Flügel - angetrieben von denselben Winden, die dieser nördlichen Insel ihren berühmten Pulverschnee bescheren - wird genug Strom erzeugen, um 83.000 Haushalte zu versorgen, wenn das Projekt im Dezember abgeschlossen ist.
Der 112-Megawatt-Windpark Green Power Ishikari ist eines von zahlreichen Projekten für erneuerbare Energien, die in ganz Japan vorangetrieben werden. Das Land leitet so einen industriellen und sozialen Wandel ein, um bis 2050 Klimaneutral zu werden. Die Projekte umfassen eine Reihe von Bereichen der sauberen Energie, von Windkraft über Solarenergie, Geothermie und Biomasse bis hin zu Wasserstoff. Sie verändern nicht nur Japans Wirtschaft, sondern auch den Energiemix des Landes, indem sie Arbeitsplätze schaffen, Innovationen und Investitionen ankurbeln sowie die Tür zu globalen Geschäftspartnerschaften öffnen.
„Japan hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um seine Wirtschaft zu dekarbonisieren, und das schafft Möglichkeiten“, sagt Roland Thompson, Gründer und CEO von Austvent, einer Firma für Impact Investing, die an einer Vielzahl von Projekten für grüne Energie in Japan beteiligt war. Der Eigentümer des Windparks Ishikari, Green Power Investment, ist ein Beispiel für diese Möglichkeiten. Das 2004 gegründete Unternehmen hat Pattern Energy, ein amerikanisches Unternehmen für erneuerbare Energien, als Hauptanteilseigner gewonnen und betreibt oder baut derzeit neun Wind- und Solarprojekte in Japan. Weitere sind bereits in Planung. Im Mai wurde Green Power von einem japanischen Konsortium bestehend aus NTT Anode Energy und JERA, einem Joint Venture zwischen den Versorgungsunternehmen TEPCO Fuel & Power und Chubu Electric Power, gekauft.
Japan ist seit Langem für den Großteil seiner Energie von importierten fossilen Brennstoffen abhängig, und die Beschränkungen, die sich aus der Topographie und dem Klima des Landes ergeben, haben die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen erschwert. Die Umstellung auf diese und andere kohlenstoffarme Energiequellen wird jedoch immer schneller vorangetrieben, was durch eine breit angelegte GX-Förderstrategie (Strategie zur Förderung der Grünen Transformation) möglich wird, die in diesem Jahr vorgestellt wurde.
Neue Gesetze, die in engem Zusammenhang mit der Strategie stehen - der GX Promotion Act und der GX Decarbonized Power Supply Act - enthalten eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien. So wurde beispielsweise der Ausbau des Stromnetzes, der für erneuerbare Energien von entscheidender Bedeutung ist, beschleunigt. Darüber hinaus sieht die GX-Förderstrategie die Einführung einer japanischen Version des "Zentralisierten Modells" vor, bei dem die Regierung und die lokalen Behörden stärker einbezogen werden, um die Gründung von Offshore-Windparks zu beschleunigen, und bei den Untersuchungen schnell und effizient durchgeführt werden.
Auch finanzielle Anreize sind im Gespräch. In den nächsten zehn Jahren werden 150 Billionen Yen aus dem öffentlichen und privaten Sektor in den GX-Bereich fließen – auch in die Entwicklung von Technologien für erneuerbare Energien. Eine GX-Liga, der mehr als 560 Unternehmen angehören, hat mit der Erprobung eines freiwilligen Emissionshandelssystems begonnen, das im Fiskaljahr 2026 in vollem Umfang eingeführt werden soll. Im Fiskaljahr 2028 wird zudem eine GX-Auflage (Aufschlag auf die Versorgung mit fossilen Brennstoffen) eingeführt.
Zu den vielversprechenden Technologien gehört Photovoltaik der nächsten Generation wie Perowskit-Solarzellen - eine Innovation, die ihren Ursprung in Japan hat. Auch Wasserstoff und Ammoniak sollen zur Stromerzeugung genutzt werden. Perowskit-Solarzellen, bei denen es sich um Dünnschichtzellen handelt, wurden für Orte konzipiert, an denen herkömmliche Solarzellen schwer zu installieren sind. Dazu gehören beispielsweise Gebäudewände und tragende Dächer. Diese besonderen Solarzellen befinden sich in der Entwicklung. Das japanische Unternehmen Sekisui Chemical plant, die Technologie bis 2025 zu kommerzialisieren.
Wasserstoff und sein naher Verwandter Ammoniak – eine Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff – werden voraussichtlich ebenfalls eine wichtige Rolle bei der weltweiten Energiewende spielen, da sie bei der Verbrennung kein Kohlendioxid freisetzen und mit einer Vielzahl von Primärenergiequellen hergestellt werden können. Insbesondere Ammoniak ist von Unterbrechungen der globalen Versorgungskette unabhängig. Das macht es in Ländern mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien sowie in Ländern - vor allem im globalen Süden – nützlich, in denen Wärmekraftwerke wahrscheinlich noch einige Zeit in Betrieb bleiben werden.

Der Takasago Hydrogen Park der Mitsubishi Heavy Industries, Ltd.
In diesem Jahr hat Mitsubishi Heavy Industries (MHI) den Takasago Hydrogen Park in Takasago City, Präfektur Hyogo, in Betrieb genommen. Der Park ist die weltweit erste integrierte Validierungseinrichtung für Technologien im Zusammenhang mit der Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff zur Stromerzeugung. MHI hat außerdem den Nagasaki Carbon Neutral Park gegründet, ein Entwicklungsstandort für Technologien zur Dekarbonisierung von Energie, einschließlich Wasserstoff, Biomasse und Ammoniak.
In Hokkaido erwägt Green Power Investment, seinen Windpark mit einer Wasserstoffproduktionsanlage zu ergänzen, die die Nutzleistung des Parks erhöhen würde, indem sie überschüssige Windenergie in Wasserstoff für den späteren Verbrauch umwandelt. Roland Thompson, der CEO von Austvent, sagt, dass Regierungsbehörden wie JETRO, die japanische Außenhandelsorganisation, ausländischen Unternehmen bei der Beantragung von Lizenzen und Genehmigungen behilflich sind, Geschäftskontakte vermitteln und bei Strategie und Marketing beraten können.
Mit der nationalen Initiative zur Dekarbonisierung der Wirtschaft und den Regierungsprogrammen zur Unterstützung ausländischer Unternehmer und Investoren im Bereich erneuerbare Energien bieten sich hier zahlreiche Chancen für globale Unternehmen.