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Webtalk

Zweite Corona-Welle: „Die Banken werden vorbereitet sein“

Welche Zukunftsstrategien braucht es, um die Coronakrise erfolgreich zu überwinden? Darüber sprachen Manager der Privatbank Berenberg, des Konsumgüter-Konzerns Henkel und des Immobilien-Unternehmens Vonovia im Handelsblatt-Studio.

(V.l.n.r.:) Kirsten Ludowig, Handelsblatt-Ressortleiterin Unternehmen und Märkte, und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe diskutierten gemeinsam mit Hans-Walter Peters, Chef der Privatbank Berenberg, Henkel-CEO Carsten Knobel und dem CEO von Vonovia, Rolf Buch.

 

„Wir müssen im kommenden Jahr mit einer großen Zahl an Insolvenzen und Arbeitslosen rechnen“, sagt Hans-Walter Peters, der Chef der Privatbank Berenberg und Bankenpräsident. „Aber die Banken werden darauf vorbereitet sein. Das Finanzsystem kann diese Probleme abfangen.“ Keine Frage: Das Jahr 2020 im Zeichen der Coronavirus-Pandemie wird seine Spuren hinterlassen. In der Gesellschaft, der Industrie, der Politik. Doch die vielzitierte „neue Normalität“ birgt eben auch Chancen: Denn die Digitalisierung hat durch die Herausforderungen des Lockdowns große Sprünge nach vorne gemacht und wird die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

Um Zukunftsstrategien für diese „neue Normalität“ ging es beim Webtalk via Livestream präsentiert von Handelsblatt und Berenberg. Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe und Kirsten Ludowig, Ressortleiterin Unternehmen und Märkte, diskutierten diese gemeinsam mit Hans-Walter Peters und den Managern Carsten Knobel, CEO von Henkel, und Rolf Buch, CEO von Vonovia. Drei Themenfelder dominierten das Gespräch: Erstens eine Rückschau auf die Entwicklungen durch das Coronavirus, zweitens die Frage, wie sich die Klimaziele mit Corona vereinen lassen, und drittens die geopolitischen Herausforderungen im Angesicht der Pandemie.

Plötzlich Pandemie

Banker Hans-Walter Peters besorgt eine möglicherweise bevorstehende zweite Welle der Corona-Ausbreitung zwar schon. Doch man habe aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns gelernt und könne nun gezieltere Maßnahmen ergreifen. Die Kaufhäuser, zum Beispiel, hätten sich nicht als Verbreitungs-Hotspots erwiesen. Man müsse beim zweiten Mal also den Lockdown nicht überall verordnen. Grundsätzlich lobte er aber die schnelle und in weiten Teilen auch erfolgreiche Arbeit der deutschen Politik.

Sven Afhüppe (l.) im Gespräch mit Hans-Walter Peters.

Der Lockdown im Frühjahr 2020 hat einige Industriezweige stark belastet. Das bekam auch der Konzern Henkel zu spüren: „Etwa die Hälfte unseres Umsatzes im Klebstoffbereich ist uns damals weggebrochen“, sagt Carsten Knobel. Klebstoffe werden besonders beim Autobau verwendet – und diese Branche war und ist besonders schwer getroffen von den Corona-Auswirkungen. Dafür waren die Umsätze bei Henkel im Bereich Reinigungsmittel etwas höher als sonst.

Rolf Buch ist sich sicher: Wäre das Coronavirus fünf Jahre früher um die Welt gegangen, wäre es für seinen Immobilienkonzern deutlich schlechter gelaufen. „Wir haben vor fünf Jahren angefangen, all unsere Prozesse zu digitalisieren. Deshalb konnten wir auch sofort mit Homeoffice auf den Lockdown reagieren“, sagt der Vonovia-Chef. Überhaupt sei die mehr oder weniger fortgeschrittene Digitalisierung ein Segen gewesen. „Wäre Corona im Jahr 2000 passiert, hätte das die Weltwirtschaft noch stärker beeinträchtigt“, sagt Buch.

Corona und die Klimaziele

Auch über den jüngsten Vorschlag von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die CO2-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen statt bisher avisierten 40 Prozent, wurde in der Runde diskutiert. Die Manager waren sich einig: Das ist richtig. „Wenn wir die klimatischen Herausforderungen nicht ernst nehmen, kommt eine noch viel größere Krise als die Coronakrise“, sagt Rolf Buch.

Carsten Knobel (l.) und Rolf Buch erläuterten die Corona-Erfahrungen ihrer Unternehmen Henkel und Vonovia.

Hans-Walter Peters ergänzte: „Natürlich brauchen wir die Autoindustrie. Aber mit Innovation.“ Schließlich müsse auch irgendwo das Geld erwirtschaftet werden, um die Klimaziele zu finanzieren. Bei Berenberg arbeiteten derzeit zwei Drittel der Mitarbeiter im Home Office. Der Wegfall von Geschäftsreisen und die Verlagerung von Konferenzen und Roadshows ins Virtuelle habe nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch die CO2-Bilanz.

Henkel wiederum hat sich das Ziel gesteckt, bis 2025 ausschließlich zu 100 Prozent recyclingfähige Verpackungen zu verwenden. „Auch der politische Vorstoß, einen hohen CO2-Footprint bei Importen stärker zu besteuern, ist grundsätzlich sinnvoll. Aber dann müssen gleiche Standards für alle gelten“, betont Carsten Knobel.

Auswirkungen auf die Geopolitik

In Bezug auf die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China sagte Hans-Walter Peters, dass die EU sich nicht aufweichen lassen dürfe und zusammenstehen müsse. Dennoch: „Wenn wir zu eng an den Amerikanern sind, hat das Auswirkungen auf unsere Industrie. Ich hoffe, dass die USA und China einen Weg finden, die Spannungen abzubauen.“

Sven Afhüppe appellierte an die europäischen Werte, die nicht aufgegeben werden dürften. „Im IT-Bereich liegt Europa weit hinter den Big Playern USA und China. Die großen Messanging-Dienste zum Beispiel kommen von dort und teilen nicht unbedingt unseren Anspruch an Datenschutz. Deshalb muss man darüber nachdenken, warum Europa nicht einen eigenen solchen Dienst nach unseren Wertvorstellungen entwickelt – und Whatsapp dann verbietet.“

Um außenpolitisch handlungsfähiger zu werden, wurde auch die Aufhebung des Einstimmigkeitsprinzips der EU in diesen Fragen diskutiert. „Wir müssen viel öfter die Rolle des Zuschauers verlassen, um eine einheitliche europäische Politik voranzutreiben“, sagt Rolf Buch.

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